Saturday, 5. september 2009 6 05 /09 /Sept. /2009 00:50

Buenas!

ich bin zwar schon wieder in Bogotá, aber ich hatte ja versprochen, was ueber mein "Privat-Leben" (keine Angst wird nicht schmuddelig) in Medellín zu berichten und mich nicht nur als hart arbeitendes Opfer darzustellen. Angesichts der Tatsache, dass seit Dienstag meine Bankkarte nicht mehr ging und ich mittwoch morgen gesagt bekommen hab , dass ich bald ausziehen muss, weil meine Gastfamilie das Zimmer fuer ihre kranke Grossmutter braucht, hielt ich es doch fuer angebracht mich erst darum zu kuemmern...
Nun gut, die Bankkarte funktiuoniert immernoch nicht, aber ich habe wahrscheinlich eine neue Bleibe, die, wenn alles klappt, ziemlich gediegen werden koennte.
Das waere dann in einem Haus, das auch meiner Gastfamilie gehoert (jaja, sind schon Bonzen) welches die fundación (Stiftung bei der ich angestellt bin) sowieso zu einem Theater umbauen will, wo man aber trotzdem noch wohnen kann. Hab mir das am Mittwoch gleich mal angeschaut - momentan steht es leer und es sieht noch aus wie auf nem Schlachtfeld, aber die Kolumbianer koennen schnell renovieren, wenn man ihnen in den Arsch tritt - und muss sagen: ich bin beeindruckt. Fuer kolumbianische Verhaeltnisse ziemlich gross, im Hinterhof das Theater, was echt schnuckelig (entschuldigt den Ausdruck) wird, wenn man es neu ueberdacht und mal sauber macht und ansonsten noch genug Wohnflaeche, die, wenn dann alles so weit ist, an Studenten (vorzueglich aus Deutschland) vermietet wird. Ihr wisst was das bedeutet! Ab diesem Zeitpunkt koennen die Kolumbianer ihre Reggaetón Parties sonst wo feiern...
Bis dahin vergehn aber noch mindestens 1 bis 2 Monate. Uebergangsweise wohn  ich dann wahrscheinlich in der Kirche :D:D:D naja waere eigentlich das Haus neben der Kirche, in dem die Pfarrer wohnen, die aber eigentlich echt korrekt sind und mit denen man auch ueber was gescheites reden kann.
Nach wie vor fehlt mir hier ein wenig geistige Betaetigung - dieses Volk is einfach nich so helle...
Joa ansonsten hab ich schon einen recht gut geregelten Alltag. Ich arbeite zwar fast jeden Tag, aber es ist nie so viel und durch den Spass an der Sache - trotz Anstrengung - auch ein bisschen wie Urlaub.
Ansonsten hab ich schon ein Bball-Team gefunden, das auch recht gut ist, wir zocken zwar immer nur, aber mir ists recht...
Des Weiteren hab ich mit Capoeira angefangen :D jaja, ich konnts am Anfang selber nich glauben, und es klappt auch noch nicht so gut, aber ich hoff mal, dass man da in nem Jahr gut was lernen kann...
Dadurch erweitert sich mein Freundeskreis natuerlich, was auch immer mehr Moeglichkeiten, was zu unternehmen ergibt. Da ich ja nicht, wie viele andere privilegierte Freiwillige von einer Entsendeorganisation mit staatlicher Unterstuetzung und haufenweise anderen Freiwilligen in ein fremdes Land geschickt wurde, beschraenken sich meine Kontaktpersonen hauptsaechlich auf Kolumbianer - hat Vor- und Nachteile.
Der Zeitaufwand fuer meine Abendaktivitaeten, die ja vor meiner Abreise eigentlich mein ganzes Leben beanspruchten, ist extrem geschrumpft, aber nicht nachteilhaft. Ich muss dazu ehrlich sagen, dass es auch echt gut tun kann, mal weniger zu saufen (jaja, ich weiss schon, was es darueber Kommentare hageln wird), wobei ich dazu sagen muss, dass ich natuerlich nicht ganz drauf verzichte ;)
Als ich mich zum ersten Mal abgeschossen hatte, war das danach jedem im Dorf - was eigentlich eine Stadt ist, aber in der Hinsicht wie ein Dorf ist - bekannt. Wurd montags gleich von den Schuelerinnen drauf angesprochen. Ich weiss auch gar nicht, wie die dazu gekommen sind, anscheinend haben mich an dem Wochenende abends viele gesehen...  ein bisschen Spoass muss sein...
Gut ist, dass die Alkohol niocht so derbe mischen wie bei uns, kann zwar gelegtnliuch anstrengend werden, einen "Guaro" (Aguardiente - Anisschnaps, was andres gibts hier kaum) nach dem anderen zu kippen, aber immer noch besser als Wodka-Maracuja und sonstiges Gesoeff. Woei ich meinen Cuba Libre doch vermisse ;)
Bierchen sind auch ganz OK, ich werd jetzt hier keine neue Lieblingssorte finden, aber trinken kann mans.
So, jetzt kehren wir mal wieder auf die pseudo-vernuenftige Schiene zurueck.
Natuerlich hab ich auch schon ein wenig von Medellín gesehen, fuer mehr Kolumbien hats leider noch nicht gereicht, jetzt ist erst mal Bogotá dran und andre Plaene gibts auch schon...
Medellín ist echt ne schoene Stadt, zwar schon ziemlich gross aber nicht zu gross, so wie andre lateinamerikanische Staedte und in der Innenstadt echt uebersichtlich. Ausserdem gibt es super Transportmittel: die Metro, welche als Hochbahn ideal zum Stadt erkunden ist, mit einem seh guten Anschlussbusnetz. Von meinem Haus bis in die Innenstadt braucht man knapp ne dreiviertel-Stunde, was echt OK ist.
Und die Stadt kann man sich auch echt als Tourist gut reinziehen, haufenweise Sehenswuerdigkeiten und sonstige Attraktionen -  sowohl kulturell als auch anderweitig. UND es ist bei weitem niocht so gefaehrlich, wie immer gelabert wird, ich frag mich was man sich dabei denkt, so schoene Laender so unverdient durch den Kakao zu ziehen- Scheiss Neo-Imperialismus!
Letzte Woche war ich mit Alen, dem anderen Deutschen, der grad noch des Theaters wegen sich hier aufhaelt, in Medellín mal so zum anschauen unterwegs und wir sahen anscheinend extrem touristenmaessig aus, jedenfalls wurden wir von den ganzen Strassenverkaeufern und anderen Marktschreiern regelrecht belaestigt, war aber trotzdem ganz lustig, wenn man sich auf nen kurzen Plausch mit denen einlaesst, kann man sich als Chinese ausgeben oder deutsche Schimpfwoerter als Begruessung sagen, oder auch einfach nur mit dem uralten, eigentlich zu bemitleidenden Hutverkaeufer, der mit 3 unmoeglich aussehenden,uebereinander auf dem Kopf gestapelten Sombreros auf einen zu gelaufen kommt, zusammen ueber ihn selbst lachen.
Ansonsten hab ich Medellín auch schon von der anderen Seite erlebt, einerseits im Strassenkinderprojekt, andererseits im "Barrio Triste" was seinen Namen schon irgendiwe verdient hat. Hier war ich mit meiner Ex-Spanischlehrerin, die, wenn sie in Kolumbien ist, dort immer ein projekt mit Obdachlosen macht. Das kann unter Umstaenden natuerlich auch echt gefaehrlich werden, Prostitution, Drogen und Waffenschmuggel aus den USA (der musste jetzt sein) hinterlassen ihre Spuren. Ich war auf alles vorbereitet als ich dahinkam, aber muss sagen, es war echt cool und ich war gar nicht so schockiert, wie ich davor dachte, was mich wiederum schockiert hat.
Die meisten von denen, die da waren, waren ungefaehr mein Alter, was das Ganze natuerlich noch haerter macht. Wir haben einfache Zahlenspiele mit denen gemacht und ein bisschen gemalt und sind dann am Ende auf Selbstreflektion uebergegangen, was ihnen alles aber unglaublich schwer faellt (teilweise Analphabeten, ganz schlechte Koordination). Dazu kommt, dass sie halt die ganze Zeit auf Drogen sind, jeder mit der Kleberflasche inb der Hand und andres Zeug gibtsa natuerlich auch...
Sehr krass wie die leben und aussehen, die meisten haben so viel hinter sich, total zernarbt von irgendwelchen Kaempfen, sei es mit anderen "Jövenes de la calle" oder irgendwelchen Glaeubigern oder Drogendealern.
Einer wollte unbedingt meine Festivalbaendchen haben und hat nicht gerafft, dass man die nicht abmachen kann, woraufhin er grad mal sein Teppichmesser gezueckt hat, um sie abzuschneiden. War aber halb so wild, weil ich denke, dass sich keiner von denen das je trauen wuerde, da denen so ne AUfmerksamkeit von irgendwelchen Menschen von der anderen Seite der Welt ganz schoen viel bedeutet, auch wenn man sie nicht so einschaetzt. Ganz toll war, dass einer, als wir gegangen sind sich auf Deuscth bei uns bedankt hat, was meinen vorangegangenen Kommentar natuerlich bestaetigt.
Auch wenn ich zwar genau das mache, bin ich mittlerweile schon der Meinung, dass den meisten Menschen in solchen Situationen einfach nicht zu helfen ist, man kann nur das Leben verschoenern und ihnen Aufmerksamkeit und Spass geben.
Allerdings ist dieses Land auch in anderen Hinsichten verloren. Ich bin seit gestern wieder in Bogotá, wo wir naechste Woche unser Theaterstueck auffuehren. Momentan bin ich nur mit dem professor alleine hier, denn wir muessen noch mit einer Schuelergruppe von hier das Stueck proben, denn aufgrund der Groesse unseres Ensembles und den daher hohen Reisekosten, einen teil der Gruppe aus Copacabana mit einer Gruppe von hier tauschen um zu sparen - ich weiss, ist mies, aber geht nicht anders, und das versteht auch jeder...
Nun gut, nachdem wir wiede rmit dem geilen, uralten Jeep irgendeine Duschungelstrecke Richtung Flughafen gefahren worden sind und mal wider einen Sonnenuntergang ueber den Wolken hatten, sind wir in El Dorado gelandet und ich hab mich echt gefreut, dass ich mal wieder Regen gesehen hab und es mal unter 20 Grad hat. DIe letzten 2 Wochen in Medellín waren extrem heiss und niederschlagsarm, aber wie ihr wisst regnet es sonst ja auch hoechstens nachts ;)
Normalerweise haben wir hiuer jemand der uns fahert, aber dessen Auto hatte heute "pico y placa" (ein Programm zur Beschraenkung des Verkehrschaos - jedes Auto hat an bestimmten Wochentagen Fahrverbot - ist allerdings klaeglich gescheitert. Kleiner Einschub dazu: Unser Weg mit dem Auto vom Flughafen zur Wohnung durch die Stadt hat laenger gedauert als der Flug selbst). Jedenfalls sind wir daher heute morgen dem "Transmilenio" zu der Schule quer durch die Stadt gefahren. Der Transmilenio ist ein Bustransportsystem, auf das die Botgotanos stolz sind, welches das Transpoirt-Verkehrsproblem genauso wenig loest, wie pico y placa. Das sieht folgendermassen aus. ES gibt haufenweise Buslinien die eigene Fahrspuren auf den grossen Avenidas haben und daher eigentlich schneller vorankommen sollten. Halten tun sie an Haltestellen, die wie Metrostationen aussehen. Meiner Meinung nach haette man das ganze Geld, was man zum Umbau der Strassen dafuer usw ausgegeben hat, erst mal in ne gescheite Metro investiert, die waere um einiges effektiver gewesen. Sowas wird jetzt sogar auch hier gebaut, jedoch haben sie Angst die Stadt zu untertunneln, kein Wunder bei der Architektur, also ich gebe der Stadt noch mindestens 10 Jahre und 5 Millionen Einwohner mehr bis die fertig ist.
Trotz der Proben und der Auffuehrungen wird genug Zeit sein, was von der Stadt zu sehen. Am Sonntag besteigen wir den "Montserrate", der Hausberg der Stadt, von woaus man eine atemberaubende Aussicht auf dieses Moloch haben soll. Ansonsten dann naechste Woche mit der Theatergruppe...
ANbei moechte ich noch bemerken, dass wir hier in der Candelaria auftreten, welche das bekannteste Theater Kolumbiens ist und auch international bekannt ist ;)
Und auch wenn sich das jetzt teilweise abfaellig anhoert, was ich so berichte... ich mag dieses Land und die Leute, denn es ist einfach beeindruckend.
Also meine lieben, durchaltevermoegenden Leser.
Les deseo un feliz día, que lo pasen bien...
Ich hoffe, dass ich fuer fantasiebeschraenkte bald visuelle Eindruecke in Form von Fotos liefern kann. Hab schon genug gemacht, aber hochladen ist Stress pur.
Ich hoffe im guten, alten Ddeutschland ist alles klar und freue mich jederzeit ueber Berichte.
Viele Gruesse aus dem Land der Gegensaetze.
Euer Jannik

von Jannik
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Kommentare

sehr geil, grüße nach kolumbien!
Kommentarnr1 gepostet von Mr. Pink am 18.09.2009 um 21h06
Na das klingt ja nach einigen Erlebnissen und Erfahrungen. Liest sich gut ;)

Gruß aus HD
Robin
Kommentarnr2 gepostet von Robin am 29.09.2009 um 19h40
Hallo, bist du noch in Copacabana? Ich wohne hier und würde dich gerne mal auf ein, zwei Empanadas einladen ;)
Kommentarnr3 gepostet von Dirk am 4.10.2009 um 01h26

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