Tuesday, 1. september 2009 2 01 /09 /Sept. /2009 16:14

Buenos dias und so weiter,

ich berichte euch aus dem Land, dessen Praesident wohl der erste welteit ist, der die Schweinegrippe hat :-D
Die Kolumbianer baupte natuerlich im Spass, dass Hugo Chavez ihn bei der Lateinaerika Konferenz angesteckt haette... Die kolumbianischen Medien haben recht populistische Angewohnheite, um ueber ihr Nachbarland zu berichten - ebenso ist es mit Ecuador.  Ist halt bloed zwischen zwei semi-sozialistischen Laendern eingequetscht zu sein und dann mit den USA zukollaborieren.
Naja, der intellektuelen Tiefflieger-Bevoelkerung dieses Landes (ich hab echt noch nich viele Leute kennengelernt, die ihren Kopf nicht nur zum tragen einer Muetze benutzen) gefaellts - die koennen am Nationafeiertag (war am 7. August) wenigstens zum Anlass de Feuerwerks eine grosse, mit "Hugo Chavez" betitelte Strohpuppe untergrossem Jubel anzuenden. Ich will jetzt keine Vergleiche anbringen, aber ein bisschen schockiert hats mich schon.
Ich schreibe jetzt aber nicht seit lange wieder was in den Blog um uber irgendwelche unuebersichtlichen politiscen Begebenheiten hier zu schreiben - ueber die koennt ihr dann in 20 Jahren in einem meiner zahlrichen wissenschaftlihen Werke, die ich bis dahi veroeffentlicht hab, nachlesen.
So erst mal uer alle, die noch auf dem alten Stand sind: ich bin wieder total gesund - hatte halt ne richtig drbe Mandelentzuendung und war ne Woche lang ziemlich tot. In der Zeit hab ih mich auch gefragt, ob ich das alles durchhalt und meine Entshcheiung hierher zu kommen in Frage gestellt, was man in so einer Situatin halt macht, blabla die ganze Palette halt...
Aber jetzt weiss ich, dass es auf jeden Fall geil ist - unbeschreiblich. Ich erlebe immernoch so viel neues, positiv wie negativ.  Das ganze Leben ist halt anders und auch wenn es stark von Machismo, Reggaeton und Busfahrern, die fahren als haetten sie grad ne halbe Apotheke gefressen, gepraegt ist, komm ich hier super zurecht- man muss halt offen fuer neues sein^^
Kommen wir mal zu meinen Arbeitsbereichen, die immer zahlreicher werden.
Der Deutschunterricht in der Schule klappt gut, die Schueler haben zwar nicht so wirklich den Plan, aber wenigstens Interesse (vielleicht auch weil ich der huebsce Deutsche bin). Man muss hierbei bemerken, dass die Schule frueher eine Maedchenschule war und heute immernoch 90% der 1800 Schueler Maedels sind und diese Tatsache kombiniert mit nicht vorhandener Schuechternheit (die Kolumbianer haben sowas einfach nicht) brngt mich regelmaessig in den Mittelpunkt des Geschehens und an den Rand der Verzweiflung. So ambivalent kann Beruemtheit sein hahaha. Nee ist aber nicht allzu schlimm, ich werd zwar dauernd auf der Strasse von wildfremden Leuten angsprochen, aber es it nich so nervig.
Die Arbeit im neu gebauten, ausgelagerten Ghetto San Cristobal auf den Bergen von Medellín ist nur landschaftlich schoen, mit der grandiosen Aussicht, die man von dort oben auf diese beeindruckende Stadt hat. Wenn man sih dann umdreht, gucktman auf einen riesigen Platenbau-Bezirk, der nicht enden will, und immer noch vergroessert wird. Durch solche Umsiedlungen schafft sich die Alcadía (Stadtverwaltung) die Slums aus der Innenstadt, loest aber nicht das eigentliche Problem, kann man irgendwie bei der Fuelle an Problemen und dem Mangel an Gelditteln auch nicht erwarten. Jedoch ist Geld nicht ie Loesung. ICh glaube, man koennte den Kindenr und Jugendlichen in diesem Bezirk viel helfen, wenn man einfach mehr Arbeitskraft haette, aber da ich da nur einmal die Woche hinkann (ewig weit weg und niedrigere Prioritaet vor anderen Projekten), ist das ganze nicht wirklich sinnvoll, weil sowohl rictige Unterstuetzung, als auch eine Konstante, was mir als am Noetigsten erscheint, fehlt. Des weiterenist s dort auch nicht ungefaehrlich, letzte Woche gab es 3 Morde und staendige Strassenschlachten zwischen Gangs und Polizei. Das findetabr nur nachts Stadt, tagsueber geht da ueliche Vagabunden-Ghetto-Leben weiter.
Besser gehts mit den Strassenkindern im Patio in der Medelliner Innenstadt, auch wenn ich dortauch noch nicht s oft war. Der Patio istsozusagen ein "Auffang-Heim" fuer ehemelaige Strassenkinder. Hier wohnen, essen und spielen sie und kriegen ausserdem Schulunterricht. Der Patio ist ein Kooperationsprojekt von der Schule, die ich bereit erwaehnt habe, da die Obernonne (die schule wird von Salesianerschwetsern geleitet) frueher, in den ganz schlimmen Zeiten der "Violencia" ganz viel in den gefaehrlichsten Bezirken unterwegs war und geholfen hat und dabei ihr Leben im Altag riskiert ha, wofuer ich urbigens einen RiesenRespekt vor ihr hab...
Naja auf jeden Fall gehen halt immer Schueler und STudenten dort in dne Patio und machen Aktivitaet mi den Kindern, von Schulaufgaben ueber Sport bis hin zu einem theaterstueck,dass wir grad verscuehn. Ist natuelich alles sehr schwer, wie man sich vorstelen kann, macht abertrotzdem viel SPass, weil auch wenn nur ein Kind gescheit mitmacht und danach Danke sagt ha man schon viel erreicht. Ausserdem haben wir 3 der Kinder aus dem Patio in unser Theaterstueck, welches wir mit dem deutschen Professor an der Schule aufgefuehrt haben, integrieren koennen.
Da waeren wir gleich mal beim groessten Projekt - dem Theater. Die Kooperation zwischen Kolumbien und Deutschland ist zum grose Teil durch Theater gepraegt, wo ich mich natuerlich auch beteiligt hab. Da die Schule eine Don Bosco-Schule ist (um Religion kommt man hier nich rum) und dieses Jahr 50-jaehriges Jubilaeum hat, musste das Stukc natuelrch irgendwas damit zu tun haben. Aso hat der Theaterprofessor mit dem ich hier bn, ein tolles Stueck ueber den Heiligen Don Bosco geschrieben, das durchaus rcht modern war. Mit einem Riesenensemble (fast 90 Schueler und Schuelerinnen) haben wir das eingeprobt, was alles gut geklappt hat, bis auf die Tatsache, dass wir sehr unter Zeitmangl standen, und alles auf den letzten Druecker gemacht haen. Ich hab nur 2 kleine Rollen im Stueck gespielt, weil ich mich fuer Musik und Technik veratwortlich gefuehlt hab, was auch ein ziemlicher aufwand war, da wir ja "teatro corporal" macen, also mit so Taenzen und Choreogrfien drin, was aber super klappt und recht interessant ist
Naja jedenfalls waren die ganze letzte Woche immer morgens zwei Auffuehrungen fuer Schuelergruppen aus der ganzen Umgebung und freitag und samstag abnds sollten dann die grossen Auffuhrungen fuer die Gesamtbevoelkerung sein. Freitag konnte auch regulaer stattfinden, samstag jeden nicht mehr. Sehr amuesant war hierbei, dass wir eine Stunde vor Beginn an die Schule kamen um alles vorzubereiten und von den Nonnen wieder weggeschickt wurden, da diese alls gecancelt haben, angeblich, weil frietags abends vor der AUffuehrun mit irgendwelche Drogen gedealt rdne sei, und sie das in Verbindung mit der Schule nicht verantworten koennten. In Wirklichkeit glaebn wir was anderes - das Steuck war zu modern, und diese konservativen, fast reaktionaeren Gurken wollen nicht, dass das viele Leute sehen.  Allerdings gab es hierzu noch einen Haufen anderer Ereignisse, die zu kompliziert zus childern sind und ehrlichgesagt hab ich auch nich so ganz durchgeblickt. Ich bin dann Samstag abend haltmal saufen gegangen...
Jedenfalls gibt es jetzt viel Diskussionsstoff wegen der ganzen Sache, weil das auch nicht so oeffentlih gemacht werde soll. Dem Profe passt das antuerlich gar nicht, weil er seine Arbeit in Frage gestell sieht, was auch durchaus verstaendlich ist. Der sieht sich jetz grad schon nach anderen Moeglichkeiten hier Theater zu spielen um - knallhart :D
Ich sehe das auch so, dass wir fuer die Schule ein grosser Verlus aere, denn dieses Theater ist hir ein Rieseevent und wir Deutschen geniessen auch fuer alles was wir tun grosse Anerkennung, aber gut, ich halt mch da raus...
Am Donnerstag flieg ich erst mal mit dem Professor nach Bogota um unsere AUffuehrungen dort und in der Umgebung vorzubereiten, die ganze Gruppe kommt 3 Tage spaeter nach. Das wird sicher sehr spassig :D
So ich mach jetzt mal Schluss, weil ich gleich nach Medellín geh um mir mal die Stadt n bischen mehr anzuehn usw.
Ich werde demnaechst (ih versprechs) uch noch ein bisschen emhr vom privaten berichten, was ich jetzt noch ganz ausgelassen hab, ich Arbeitstier :D
Viele Gruesse aus dem Kokaland.
Bis bald.
und ich freue mich immernoch ueber Mails...
Euer Jannik

von Jannik
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Monday, 3. august 2009 1 03 /08 /Aug. /2009 16:39
Guten Morgen,
bei mir ist es halb 11 Uhr morgens und ich bin NICHT bei der Arbeit weil ich krank bin - toll.
Gut jetzt mal von Anfang an, falls ich es schaffe alles aufzuzaehlen, was so passiert ist.
Nach den 4 Tagen in Bogotá, die sehr beeindruckend waren, sind wir dienstags abends mit dem Flieger Richtung Medellín weiter und selbst der einstuendige Flug war schon wieder ein Erlebnis. Erst mal ueber das riesige Lichtermeer von Bogotá rausgeflogen, dann ueber die dunklen Berge, durch die Wolkendecke Richtung Sonnenuntergang, zwischendrin noch ein Gewitter ueber den Wolken angeschaut und dann schon wieder gelandet :-)
Allgemein ist der Natur hier total krass: nachdem wir mit einem uralten Jeep vom Fughafen abgholt und ueber ein Stueck Autobahn gefahren worden sind, sind wir eine halsbrecherische Buckelpiste durch einen halben Dschungel in den riesigen Gebirgskessel,in dem Copacabana, der Vorort Medellíns, in dem ich nun wohne, liegt, reingefahren.
Am ersten Abend habe ich noch nicht so viel gesehen,trotzdem hat mich das Leben hier schon beeindruckt, weil hier auf den Strassen so viel los ist. Und als ichdann am naechsten Tag dann mal alles im hellen gesehen hab, war ich echt ueberwaeltigt. Die Landschaft vermittelt Alpenfeeling bei 30 Grad (Wetter ist sooo warm und regnet fast nicht) und ansonsten wieder klischeehaft lateinamerikanisch^^ Alles toal verbaut, Busse mit Schornsteinen, ueberall igednwleche Staende wo unnuetzes Zeug verkauft wird usw.
Naja am ersten Tag sind wir dann erst mal morgens zur Schule, da habe ich soo viele Letue kennengelernt (ist sowieso der Informatonsueberschuss, kann mir gar nicht alles merken) und meine Taetigkeiten besprochen und mittags haben wir dann schon Theater geprobt, was viel viel besser geklappt hat als in Bogotá, weil die Gruppe hier viel konzentrierter, aber halt auch schon "deutscher" ist als die in Bogotá. Aber es macht echt Spass!
Nachmittags waren wir dann noch bei einem "Privat-Deutschkurs" fuer Schueler, die mal nach Deutschland wollen und dort vorbereitet werden, und das werde ich in Zukunft uebernehmen.
Ausserdem gebe ich auch ein paar Deutschstunden in der Schule. Weiterhin mache ich beim Strassenkinder-Reintegrationsprojekt, dass mit der Schule kooperiert, mit. Und wenn dann noch Zeit bleibt, helfe ich in einer Gemeinde (San Cristobal)in Medellín, wo ich gestern schon war, um mich mal umzuschauen, und dort geht es echt hart zu. Die Leute sind so arm und werden gerade aus den Slumhuetten in neue Plattenbauten umgesiedelt, was ja im Endeffekt nichts anderes ist.
Naja, heute kont ich leider nicht richtig anfangen, da ich ja jetzt krank bin, vielleicht auch wegen der mangelnden Hygiene, vor allem dort gestern... Leider weiss ih nicht was ich hab, weil es so eine Mischung aus allem ist, ih hoffe, dass ich spaeter mal meinen Vater konsultieren kann und wohl hier auch noch zu einem Arzt muss. Naja, ich versuche das alles zu ignorieren, aber da ich ja die ganze Zeit noch nicht so fit bin, stresst das schon, da es das Einleben erschwert und ich mich schon manchmal gerne nach Heidelberg zurueckwuenschen wuerde. Allgemein wird hier das Leben viel schwerer (ist aer auch mal gut!). Ich habe in der wenigen Zeit schon schaetzen gelernt, was man in Deutschland ueberhaupt alles hat, also seid froh, dass ihr das alles geniessen koennt! Auch wenn ich einer der ersten bin, der immer ueber alles meckert, muss man echt feststellen, dass die Europaeer ja solche verwoehnten Penner im Vergleich zu den Leuten hier sind. Trotzdem habe ich den Eindruck, das auchMenschen, die nicht so viel Geld habne, hier echt das Beste draus machen und das Leben halt gechillter angehen... Allerdigs git es hier natuerlich auch normal wohlhabende Leute, zum Beispiel die Familie bei der ich wohn, Der Vater hat einen Handwerksbetrieb und die Muter ein kleines Resturant, wo ich uebrigens meistens esse ;) Ich hab hier im Haus ein eigenes Zimmer, sogar mit einem minikleinen Bad dabei, das ist scho echt gut fuer Kolumbien. Die Familie ist auch nett, ber ein bisschen zu amerikanisch, was mir natuerlich auf den Zeiger geht, aber naja, kann man ja auch ein bisschen ignorieren.
Ich kann mich hierauch gut allein auf der Strasse bewegen, es ist nichs gefaehrlich wie man denkt, trotzdem bin ich wachsam und nehme nicht viele Wertsachen mit.. Auch gestern in Medellín. Wir sind mit der euen Metro (die eine Hochbahn ist) reingefahren, weswegen ich schon schoen viel von der Stadt sehen konnte, ausserdem liegt San Cristobal, was ja unser ZIel war, auf einem der unzaehligen Berge hier, die aber all schon besiedelt sind. Dorthin faehrt man mit der "Metrocable" (einer Gondel^^) weiter, von der man eine temberaubende Aussicht auf dieses Riesenmoloch Medellín hat (offizille Einwohnerzahl: 2,5 Millionen, in Wirklichkeit aber einiges mehr als 3).
In San Cristobal musste ich dann erst mal beim Gottesdienst (selbstverstaendlich katholisch) teilnehmen, und es war echt schade, dass diese wrklich armen,perspektivlosen Menschen so kirchenhoerig sind und auf den Pastor hoeren, wenn er sagt, dass man auf Materialismus verzichten kann, wenn man Jesus hat... Mann Mann Mann, ich bin ja auch nicht geldgierig, wohlstandssuechtig oder materialistisch, aber das was dort lauft kann echt nicht sein! Trotzdem bin ich irgednwie davon ueberzeugt, dass man dort einfach nicht nachhaltig helfen kann, die Strukturen sind zu rigide und der Armutsfortschritt mt all seinen Folgen zu weit.
Samstag abends war ich mit meiner Familie auch schon auf einem Gotesdienst, weil da irgdnwelche Freundinnen von meiner Gastschwester gefirmt oder was weiss ich was wurden. Immerhin war danach neben der Kirche noch ein Konzert vn zwei unbekannten, aber guten Bands, bei welchem ich als Deutscher ("tan alto y lindo" jaja, blond bin ich uebrigens auch) neben den besagten Bands die Hauptattraktion war und haufenweise Fotos machen musste :D
Hab auch schon gesagt bekommen, dass ich mir die Frauen hier aussuchen koennte, aber bei dem harten Ktholizismus.. ich weiss ja nicht... haha
Gut, ich hoer hier mal auf, koennte bestmmt noch ewig weitererzaehlen, das hole ich mal nach, vorausgesetzt ih habe Zeit, weil ich werde schon viel arbeiten, vorausgesetzt ich werde wieder fit...
Euch allen eine schone Zeit, geniesst euer Leben und seid froh, dass ihr so eins habt!
Viele Gruesse vom kranken, dafuer aber einzigen nicht-katholischen Kolumbianer!
Euer Jannik

P.S.: Entschuldigt meine vielen Schreibfehler, aber die Tastatur von dem Laptop, mit welchem ich schreibe is enfach unausstehlich!
von Jannik
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Monday, 27. july 2009 1 27 /07 /Juli /2009 20:46
Hallo zusammen,

nun also mein erster Blog-Eintrag, direkt aus der Hauptstadt Kolumbiens.
Nach einem aetzenden Flug, auf dem ich allerdings meine nette Gastschwester kennenlernen konnte, sind wir um 3 Uhr Ortszeit hier angekommen. Daraufhin gleich mal in unsere aktuelle Behausung gefahren worden. Diese liegt im Norden der Stadt (in einem Bezirk names Santa Barbara - Gruss an Franzi ;) ), in einer eher wohlhabenden Gegend. Unsere "Hausherrin" ist supernett, kann exzellent kochen und die Wohnung ist echt komfortabel (hab ein eigenes Zimmer), sauberes Bad und es gibt sogar einen Wachdienst, was hier aber relativ normal ist...
Samstag und Sonntag waren fuer mich hart, denn da ich uebermuedet war, die Zeitumstellung im Nacken hatte und die Geografie bzw. das Klima mir es hier auch nicht gerade einfach machen (2600m Hoehe, dauernd bewoelkt, schlechte Luft, hohe Luftfeuchtigkeit), hab ich mich immer um 8 Uhr Ortszeit zum pennen verabschiedet, da ich einfach nicht mehr konnte. Gliederschmerzen, Kopfweh und gestern sogar ein bisschen Fieber schlauchen halt schon...
Daher konnte ich auch noch nicht so viel von der Stadt sehen, dennoch haetten mir die wenigen Eindruecke gereicht, um ein halbes Buch zu schreiben.
Naja, aufgrund meiner Defizite konnten wir auch noch nicht so viel arbeiten.
Ich spreche deshalb im Plural, weil ich hier mit meinem "Mentor" bin, einem Professor aus Heidelberg, der hier ein grosses Theaterprojekt an Schulen leitet, an welchem ich auch mitarbeiten darf (Haha, ich und Theater...) und mit welchem wir Ende des Montas ein wenig durch Kolumbien touren werden. Deswegen sind wir auch erst hier in Bogotá - denn fuer diese Station der Theatertournee ist es aufgrund der Kosten nicht moeglich, das ganze Ensemble aus Medellín mitreisen zu lassen, daher hat der "Profe", wie er hier nur genannt wird, eine andere Schule organisiert, deren Schueler einen grossen Teil der Statistenrollen uebernehmen werden und mit denen wir nun hier proben. Heute war der erste Probetag, morgen wird der zweite und auch schon letzte sein, denn abends fliegen wir dann weiter nach Medellín, also dem eigentlichen Ziel.
Heute morgen: aufstehen um 6, fruehstuecken, und ab durch die Rush-Hour in den Sueden der Stadt.
Nun ein kleiner Einschub, damit ihr einen Einblick in die Stadt und ihr Innenleben bekommt: Bogotá ist ein 9-Millionen-Einwohner-Moloch mitten in den Anden auf einem riesigen Hochplateau auf 2600m Hoehe. Daneben ragen die 3500er Berge in die Hoehe, welche aber an ihren Fuessen auch schon besiedelt werden, denn das Wachstum ist nicht zu baendigen, vermutlich erst wenn die gesamte fuer Menschen besiedelbare Flaeche genutzt ist. Die Einwohenrzahl hat sich in den letzten 50 jahren mehr als verzehnfacht, also stellt euch mal vor wie es hier aussieht. Auch wenn es fuer den dekadenten Europaeer klischeehaft wirkt, muss man es einmal mit eigenen Augen gesehen haben: Es wird wie wild gebaut, wenig Infrastruktur in den aermeren bezirken, Schlagloecher ohne Ende, gnadenloser Verkehr, fuer alles was schwaecher als ein Auto ist, ueberall Muell usw. - trotzdem finde ich es hier total faszinierend. Wiegesagt, fuer den normalen Europaeer mag es unausstehbar sein, aber die Leute hier kommen damit gut zurecht. Allgemein ist die gefuehlte Haelfte der Kolumbianer als Wachmaenner angestellt und der Rest haelt sich mit irgendwelchen kleinen Taetigkeiten ueber Wasser. Das ist schon hart, wenn man im Auto durch die Stadt faehrt und an jeder Ampel kommen bettler, Strassenkuenstler oder Verkaeufer mit irgednwelchem Krims-Krams ans Auto, aber auch gewohnheitssache, denn - so ahrt es klingen mag - den meisten leuten ist einfach nicht zu helfen.
Nun gut, durch dieses "Erlebnis" sind wir heute morgen gefahren, um in den aermeren Sueden zu der besagten Schule zu kommen. Dort erst mal wieder vom Wachdienst reinlassen lassen (tolle Wortkonstruktion) und die Lehrer kennengelernt mit denen wir fuers tehater natuerlich zusammenarbeiten muessen. Kurz danach gings dann los. Als Deutscher wird man natuerlich sofort gemustert, aber gut, da koennte ich jetzt wieder ewige Stories drueber schreiben, also lassen wirs lieber. Immerhin bin ich nicht blond :D
Die Schueler waren sehr offen und froehlich, lediglich beim Theaterspielen sind sie um einiges undisziplinierter und unkonzentrierter als man es sich als Deutscher wuenschen koennte, aber Wuensche gibt es hier nicht.
Ich konnte selbstverstaendlich noch nicht so viel machen, da ich koerperlich nicht fit war und auch das Theaterstueck und alles drumerhum noch nicht gut kannte. Egal - das wird alles schon. Denke ich im Moment sowieso meistens, denn ich kann zwar Spanisch, aber mit einem haufen gleichzeitig redender Kinder ist das auch nicht so einfach. Vor allem sprechen mir die leute zu schnell. Genau so ist es mit den Ausserungen: ich passe erst mal auf, was ich sage und lass nicht meine militante Seite raushaengen, denn in Kolumbien ist Politik etwas heikel. Dazu mehr Infos wenn ich es besser durchschaut habe. Hier wo ich wohne reden die Leute sehr offen ueber alles und sind auch kiritkfaehig, aber ich lass es ruhig angehn...
Ok das wars fuer den Moment, wahrscheinlich schreibe ich erst das naechste Mal wenn ich in Medellín bin.
Eine Sache hab ich noch: Es tut mir leid, es zu sagen, aber irgednwie habe ich noch gar kein heimweh :D - aber nehmt es mir nicht uebel, das kommt bestimmt noch
Bis denn!
Gruesse vom Gringo Jannik
P.S.: falls ihr mir mailen wollt:
kinnajs@aol.com
von Jannik
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Friday, 24. july 2009 5 24 /07 /Juli /2009 15:14
Guten Tag zusammen,
tja, in 15 Stunden sitze ich schon im Flieger!
Gestern einen schönen Abschied gefeiert, auch wenn das meiste improvisiert war...
Es folgt hier ein Abschied nach dem anderen und es ist schon ein beeindruckendes Gefühl, wenn man merkt, was alle Menschen einem eigentlich so bedeuten.
Aber: ist ja keine Reise ohne Wiederkehr!
Ich freue mich über alle Arten Meldungen und Berichte aus der Heimat!
Wünsche allen eine schöne Zeit, bleibt irie und denkt mal an mich ;)
Bis dann,
euer Gringo Jannik

von Jannik
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Friday, 17. july 2009 5 17 /07 /Juli /2009 14:47
Guten Tag zusammen,

nachdem ich  nun auch mal aufgestanden bin und lecker mediterranes Hähnchen gefrühstückt habe, wird es Zeit sich der virtuellen Exhibition hinzugeben und euch genauer über meinen Auslandsaufenthalt aufzuklären.
Gleich vorneweg: ich werde NICHT nach Kolumbien fliegen, um in die Fußstapfen Pablo Escobars oder sonstigen Idioten zu treten, wie gern spaßeshalber (schönen Gruß an Lorenz Törmer ;-) ) angenommen wird.
Hierzu ein kleines Zitat aus Ramón Chaos "Un tren de hielo y de fuego" - einem etwas anderen Reisebericht von Kolumbien, wohlgemerkt aber schon fast 20 Jahre alt:
"Man muss wissen, dass Kolumbien nach den Niederlanden, der zweitgrößte Blumenexporteur der Welt ist. Nicht alles ist Kokain. Im Übrigen sagt man hier, dass Kokain nur hergestellt wird, weil die Yankees es sniffen. Es herrscht hier ein derartiger Antiamerikanismus, dass die Kolumbianer ihr Land am liebsten in eine riesige Plantage verwandeln würden, um die suizidären Neigungen der Gringos zu befriedigen."
Da könnt ihr jetzt drüber denken, was ihr wollt, jedenfalls ist das Drogenproblem vielfältiger als wir wissen und nicht so lustig, wie manche denken.
So nun zu MEINEN konkreten Planungen: eigentlich sind sie gar nicht so konkret, ich fühle mich zwar gut informiert und ausgerüstet, jedoch habe ich - im Gegensatz zu den ganzen FSJlern - keine 70 Vorbereitungsseminare, denn ich habe mir den Aufenthalt privat organisiert. Daher habe ich auch nur einen groben Überblick über meine dortige Arbeit, die Struktur der Einrichtungen und die Mentalität der Leute, aber das wird sich alles einpendeln. Ich werde als Praktikant zuerst in einem Theaterprojekt mitwirken, welches eng mit einer großen Schule verbunden ist, und des weiteren an dieser Schule arbeiten: als Lehrer, Betreuer usw. Außerdem gibt es noch ein Straßenkinderprojekt, was wahrscheinlich am interessantesten, aber auch am schwersten und beeindruckensten sein wird.
Das Ganze findet in Copacabana, einem Vorort von Medellín (jaja, ich weiß, auch noch bekannt vom Medellín-Kartell ;-) ) statt. Medellín ist eine 2-Millionenstadt in der mittleren Andenkordillere, die zwar wunderschön liegt, aber eine beeindruckende Geschichte vorweist, denn früher galt die Stadt durch den Drogenhandel und der darauf folgenden Gewalt, als eine der gefährlichsten der Welt. Die dortige Situation hat sich aber in den letzten 20 Jahren stetig verbessert, ist sowohl politisch als auch gesellschaftlich stabiler geworden. Es gibt natürlich immernoch krasse Vorfälle, aber nicht mehr häufig und von großem Ausmaß, also macht euch keine Sorgen um mich ;-)
Wohnen werde ich in einer Gastfamilie, die ich unter Umständen auch mal wechseln werde.
So, das wars erstmal!
Danke fürs lesen und nen schönen Tag noch,
euer Jannik
von Jannik
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