Muy buenas tardes
Fühlt euch geehrt, ich
schreib mal wieder was!
Habe mal wieder mehr Zeit,
da das Schuljahr dem Ende zugeht und wir uns dem für Kolumbianer besten Monat, DEZEMBER nähern.
Zuerst möchte ich jedoch ein
wenig von einem neuen Ausflug erzählen, den ich mir backpackenderweise angetan habe. Und zwar gings in die “Zona Cafetera“.
Ein Wochenende lang in
ruckeligen Bussen, internationalen Hostels und wunderschönen Bergen konnte ich verbringen. Bilder sind ebenfalls hier anzuschauen.
In der Zona Cafetera werden
zwischen 10 und 15% des weltweit konsumierten Kaffees angebaut, ironischerweise geht dieser komplett in den Export, so dass man hier in Kolumbien kaum guten Kaffee genießen kann, Nescafe sei
Dank. Dementsprechend schaute ich mir natürlich eine typische „Finca de Café“ an. Kaffeeernte ist zwar eine anstrengende Sache, trotzdem habe ich mir überlegt, dass ich, falls mein Leben
irgendwann scheitern sollte, hierher auswandere und als Kaffeebauer ein bescheidenes Leben führe. Ist schon ne gute Sache^^
Der Kaffeebauer führte uns
durch die steilen Kaffeehänge, wo außerdem auch Bambus, Bananen, Platanos, Guayabas, Ananas und noch einige weitere Sachen wachsen und so ziemlich zu jeder Jahreszeit geerntet werden können
(tolles Klima halt). Seine Finca hat mir auch gut gefallen, ich hätte gerade in der Hängematte auf dem Dach liegen bleiben können….
Außerdem musste man die
schönenWanderrouten, die allerdings so gut wie gar nicht von Touristen frequentiert werden, ausnutzen. Allgemein gibt es in Kolumbien ziemlich wenige Touristen im Vergleich zu den Nachbarländern
wie Peru oder Ecuador, dem schlechten Image sei Dank, haha.
Ich wage mich doch zu
prophezeien, dass in ca. 10 Jahren, unter der Bedingung, dass sich die Situation weiter verbessert, der Tourismus Haupteinnahmequelle wird, da dieses Land ein unglaubliches Potential dafür hat
(zwei Küsten inklusive höchstes Küstengebirge der Welt, 3 Andenkordilleren, Flach- und Sumpfländer, Urwald, beeindruckendes Kulturerbe, schöne Städte, krasse Geschichte, einfach
alles)
Nun gut, zurück zum Wandern.
Nachdem wir (eine deutsche Student, mit der ich unterwegs war und ich) in einem 4000-Seelen Dorf namens Salento ein wirklich internationales Hostal aufgefunden haben (Deutsche, Schweizer, Amis,
Israelis, Kanadier, Hollländer usw kennengelernt mit teilweise beeindruckender Reisegeschichte), ließen wir uns morgens in einem kleinen Jeep und 12 weiteren Personen Richtung eines Tals fahren,
von wo wir loslegen wollten. War sehr amüsant, da der Jeep wirklich übervoll war und auf der Hälfte des Wegs der Motor einfach ausgegangen ist, was den Fahrer einen ewig langen Lachanfall
entlockte. Eigentlich fand ichs auch lustig, denn irgendwann kamen wir dann mit einem Ersatzjeep doch an.
Zuerst durch riesige Felder
in das Tal reingelaufen und dabei die Aussicht auf die rieseigen Wachsplamen die an den Hängen wachsen, genossen. Je näher man dem Tal kam, desto höher wurde die Luftfeuchtigkeit und die
Vegetation. Schließlich kämpften wir uns über kaum festgelegte Wege einen Flusslauf hoch, wobei wir den Fluss natürlich schön über quergelegte Baumstämme überquerten. Zweischendrin trafen wir
eine Gruppe kolumbianischer Studenten, die eigentlich eine Fachexkursion machen sollten, aber die angenehme Atmosphäre im Urwald am Wasserfall eher zum Rum trinken und chillen nutzten, woraufhin
ich mich gerne anschloss.
Irgendwann kamen wir dann an
einer Cabana an, wo wir erst mal Kolibirs beobachten konnte, die mit Maschinengewehrähnlichen lauten an uns vorbeischossen. Da es schon nachmittag war, wanderten wir weiter, um den Mirador
(Aussichtspunkt) zu erreichen und um rechtzeitig wieder runterzukommen. Ich muss zugeben, dass ich den Höheunterschied schon gemerkt habe, auf 3000 Meter wandert es sich nicht so einfach wie auf
den Königsstuhl in Heidelberg. Auf einer anderen Berghütte bat uns die Bauernfamilie uns in ihr Gästebuch einzutragen :-D
Den Abstieg absolvierten wir
durch die Wolken, die aufzogen und kühle Luft mitbrachten. Besonderes beeindruckend war hierbei wie die bereits erwähnten Wachsplamen wirklich in den Wolken verschwanden, da diese so tief
hingen.
Unten angekommen war ich gar
nicht so sehr kaputt, naja, seelische Ausgeglichenheit fördert eben auch das körperliche Wohbefinden.
Im Hostal habe ich mich dann
gleich mal biertrinkend in die Hängematte geworfen und bin auch nicht mehr so schnell aufgestanden.
Eine Sache wäre noch
erwähnenswert, und zwar unser bekokster Busfahrer auf der Rückfahrt. Also ich versteh auch nicht, wie er es geschafft hat die Fahrt echt in fast der Hälfte der Zeit zurückzulegen, auch wenn er gefahren ist als hätte er gerade ne halbe Apotheke verschluckt.
Im Nachhinein habe ich von
einem Kaffeebauern auch noch einige interessante Geschichten von der Guerilla in diesem gebiet gehört, da hat man gemerkt, das das Thema doch noch allgegenwärtig ist…
So viel ungefähr zu einem
weiteren Ausflug, der mir extrem viel Lust auf mehr gemacht hat…
Mein normales Leben hier in
Copacabana ist ganz angenehm. Ich mag es, nach einer guten Nacht sonntags morgens durch den Ort zu laufen, die Aussicht auf die Berge zu genießen, bei einem spontanen Fußballturnier in einer
abgesperrten Straße zuzuschauen und nebenbei mir noch ne frische Mango reinzuziehen – Dinge , die in Deutschland um diese Jahreszeit nicht unbedingt möglich sind.
Meinen Geburtstag bin ich
auch schon ein wenig am vorbereiten, wobei ich eigentlich nicht plane besonders viel zu machen (bin wohl doch bescheidener geworden :-D ), naja und Weihnachten sollte ja ziemlich derbe werden,
wie sich das aus Erzählungen so anhört. Feierei pur!
Jedoch kann ich mich
überhaupt nicht weihnachtlich fühlen, bei der Wärme und Weihnachten ohne Familie ist natürlich auch nicht das Wahre. Zum Glück bin ich ja nicht allzu weihnachts-nostalgisch, so dass mich das
nicht allzu sehr stört.
Die Kolumbianer sind doch
auch mal wieder komisch. Bauen sie hier ihre Weihnachtsbeleuchtung auf und dann seh ich hier künstliche Schneemänner und mit weißer Watte bedeckte, künstliche Weihnachtsbäume rumstehen, was mich
doch sehr verwundert, wo die meisten Menschen hier ja noch nie in ihrem Leben Schnee gesehen haben. Da merkt man mal wieder, dass die Kultur doch zu sehr europäisch beeinflusst ist, Christopher
Kolumbus sei Dank.
Nachdem ich jetzt Nescafe,
Kolumbiens Image und Christobal Colón gedankt habe, kann ich den Eintrag getrost beenden.
Ich wünsche euch ne schöne
Adventszeit, ich hoffe, dass ichs vor Weihnachtn nochmal zu schreiben. bzw. dass ich Bock habe.
Ich grüße meine Familie, der ich danken will, dass sie mich so erzgen haben, wie ich bin, meinen Bruder nochmal extra, außerdem alle Personen, die mich besuchen wollen (sind ja nicht viele), des
weiteren alle geilen Säue, mit denen ich des letzte Jahr verbracht habe, alle Neustädter und sonst noch die anderen Genossen des Lebens und die Menschen, die sich durch ihr Leben
schlagen.....
Viele Grüße aus dem warmen
und dreckigen Medellín!!!
Euer
Jannik el
mono