Thursday, 24. december 2009 4 24 /12 /Dez. /2009 06:55
Que más guevones,

da gerade der 24. Dezember angefangen hat und das ja irgendwie ein besonderes Datum ist, schreibe ich jetzt mal was für euch.
Einen schönen Dezember habe ich verbracht, nachdem eine extrem harte Feierei am 1. mir das schon angekündigt hatte. ICh dachte die Kolumbianer labern nur, als sie meinten, dass Dezember das ultimativste des Jahres wäre, aber sie haben mich nicht enttäuscht. JEDEN Tag irgendwas anderes, da ein Feiertag, hier eine Tradition, Geburtstag hatte ich auch noch irgendwann, und dann is am Sonntag Medellín auch noch Fußballmeister geworden... also das war echt anstrengend.
So über Weihnachten soll es dann so weitergehen, momentan werden schon die Schweine geliefert, die dann auf der Straße geschlachtet werden, lecker lecker...
Und am 26. hat meine "Gastschwester" noch 15. Geburtstag, was hier so ziemlich das tollste ist, was es für ein pubertierendes Mädchen gibt, und es eine Megafeierei geben wird, aheb ich mir heute dafür mal einen weißen Anzug gemietet, weil das da so normal ist. Einen Tag im jahr darf man ja auf Mafiosi machen...
Ahja bis 18. habe ich auch noch gearbeitet, aber das war die meiste Zeit recht angenehm, so wie allgemein, es ist nicht zu stressig und es macht mir einfach Spaß, was dazu beiträgt, dass man innerlich einfach ausgeglichen ist.
Ehrlichgesagt muss ich somit zugeben, dass ich überhaupt kein Heimweh habe und es mir einfach blenden geht. Zumal die klimatischen Verhältnisse Europas ja wieder zu wünschen üblich lassen, das beruhigt mich doch sehr, ich verbringe Weihnachten zum ersten Mal sehr angenehm in kurzen Klamotten... Natürlich gebe ich zu, dass ich aufgrund des Fehlens des üblichen Weihnachtsambiente nicht so direkt in der Stimmung bin, aber das lässt sich in berücksichtigung der hiesigen Umstände doch sehr gut ertragen.
Also,

FROHE, KALTE WEIHNACHTEN an alle, vor allem an meine Familie.
GLeichzeitig ein interessantes und bereicherndes neues Jahr an alle die es für nötig halten.

Viele Grüße aus der Ferne!



Jannik
von Jannik
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Tuesday, 24. november 2009 2 24 /11 /Nov. /2009 20:34

Muy buenas tardes

 

Fühlt euch geehrt, ich schreib mal wieder was!

Habe mal wieder mehr Zeit, da das Schuljahr dem Ende zugeht und wir uns dem für Kolumbianer besten Monat, DEZEMBER nähern.

Zuerst möchte ich jedoch ein wenig von einem neuen Ausflug erzählen, den ich mir backpackenderweise angetan habe. Und zwar gings in die “Zona Cafetera“.

Ein Wochenende lang in ruckeligen Bussen, internationalen Hostels und wunderschönen Bergen konnte ich verbringen. Bilder sind ebenfalls hier anzuschauen.

In der Zona Cafetera werden zwischen 10 und 15% des weltweit konsumierten Kaffees angebaut, ironischerweise geht dieser komplett in den Export, so dass man hier in Kolumbien kaum guten Kaffee genießen kann, Nescafe sei Dank. Dementsprechend schaute ich mir natürlich eine typische „Finca de Café“ an. Kaffeeernte ist zwar eine anstrengende Sache, trotzdem habe ich mir überlegt, dass ich, falls mein Leben irgendwann scheitern sollte, hierher auswandere und als Kaffeebauer ein bescheidenes Leben führe. Ist schon ne gute Sache^^

Der Kaffeebauer führte uns durch die steilen Kaffeehänge, wo außerdem auch Bambus, Bananen, Platanos, Guayabas, Ananas und noch einige weitere Sachen wachsen und so ziemlich zu jeder Jahreszeit geerntet werden können (tolles Klima halt). Seine Finca hat mir auch gut gefallen, ich hätte gerade in der Hängematte auf dem Dach liegen bleiben können….

Außerdem musste man die schönenWanderrouten, die allerdings so gut wie gar nicht von Touristen frequentiert werden, ausnutzen. Allgemein gibt es in Kolumbien ziemlich wenige Touristen im Vergleich zu den Nachbarländern wie Peru oder Ecuador, dem schlechten Image sei Dank, haha.

Ich wage mich doch zu prophezeien, dass in ca. 10 Jahren, unter der Bedingung, dass sich die Situation weiter verbessert, der Tourismus Haupteinnahmequelle wird, da dieses Land ein unglaubliches Potential dafür hat (zwei Küsten inklusive höchstes Küstengebirge der Welt, 3 Andenkordilleren, Flach- und Sumpfländer, Urwald, beeindruckendes Kulturerbe, schöne Städte, krasse Geschichte, einfach alles)

Nun gut, zurück zum Wandern. Nachdem wir (eine deutsche Student, mit der ich unterwegs war und ich) in einem 4000-Seelen Dorf namens Salento ein wirklich internationales Hostal aufgefunden haben (Deutsche, Schweizer, Amis, Israelis, Kanadier, Hollländer usw kennengelernt mit teilweise beeindruckender Reisegeschichte), ließen wir uns morgens in einem kleinen Jeep und 12 weiteren Personen Richtung eines Tals fahren, von wo wir loslegen wollten. War sehr amüsant, da der Jeep wirklich übervoll war und auf der Hälfte des Wegs der Motor einfach ausgegangen ist, was den Fahrer einen ewig langen Lachanfall entlockte. Eigentlich fand ichs auch lustig, denn irgendwann kamen wir dann mit einem Ersatzjeep doch an.

Zuerst durch riesige Felder in das Tal reingelaufen und dabei die Aussicht auf die rieseigen Wachsplamen die an den Hängen wachsen, genossen. Je näher man dem Tal kam, desto höher wurde die Luftfeuchtigkeit und die Vegetation. Schließlich kämpften wir uns über kaum festgelegte Wege einen Flusslauf hoch, wobei wir den Fluss natürlich schön über quergelegte Baumstämme überquerten. Zweischendrin trafen wir eine Gruppe kolumbianischer Studenten, die eigentlich eine Fachexkursion machen sollten, aber die angenehme Atmosphäre im Urwald am Wasserfall eher zum Rum trinken und chillen nutzten, woraufhin ich mich gerne anschloss.

Irgendwann kamen wir dann an einer Cabana an, wo wir erst mal Kolibirs beobachten konnte, die mit Maschinengewehrähnlichen lauten an uns vorbeischossen. Da es schon nachmittag war, wanderten wir weiter, um den Mirador (Aussichtspunkt) zu erreichen und um rechtzeitig wieder runterzukommen. Ich muss zugeben, dass ich den Höheunterschied schon gemerkt habe, auf 3000 Meter wandert es sich nicht so einfach wie auf den Königsstuhl in Heidelberg. Auf einer anderen Berghütte bat uns die Bauernfamilie uns in ihr Gästebuch einzutragen :-D

Den Abstieg absolvierten wir durch die Wolken, die aufzogen und kühle Luft mitbrachten. Besonderes beeindruckend war hierbei wie die bereits erwähnten Wachsplamen wirklich in den Wolken verschwanden, da diese so tief hingen.

Unten angekommen war ich gar nicht so sehr kaputt, naja, seelische Ausgeglichenheit fördert eben auch das körperliche Wohbefinden.

Im Hostal habe ich mich dann gleich mal biertrinkend in die Hängematte geworfen und bin auch nicht mehr so schnell aufgestanden.

Eine Sache wäre noch erwähnenswert, und zwar unser bekokster Busfahrer auf der Rückfahrt. Also ich versteh auch nicht, wie er es geschafft hat die Fahrt echt in fast der Hälfte der Zeit zurückzulegen,  auch wenn er gefahren ist als hätte er gerade ne halbe Apotheke verschluckt.

Im Nachhinein habe ich von einem Kaffeebauern auch noch einige interessante Geschichten von der Guerilla in diesem gebiet gehört, da hat man gemerkt, das das Thema doch noch allgegenwärtig ist…

So viel ungefähr zu einem weiteren Ausflug, der mir extrem viel Lust auf mehr gemacht hat…

Mein normales Leben hier in Copacabana ist ganz angenehm. Ich mag es, nach einer guten Nacht sonntags morgens durch den Ort zu laufen, die Aussicht auf die Berge zu genießen, bei einem spontanen Fußballturnier in einer abgesperrten Straße zuzuschauen und nebenbei mir noch ne frische Mango reinzuziehen – Dinge , die in Deutschland um diese Jahreszeit nicht unbedingt möglich sind.

Meinen Geburtstag bin ich auch schon ein wenig am vorbereiten, wobei ich eigentlich nicht plane besonders viel zu machen (bin wohl doch bescheidener geworden :-D ), naja und Weihnachten sollte ja ziemlich derbe werden, wie sich das aus Erzählungen so anhört. Feierei pur!

Jedoch kann ich mich überhaupt nicht weihnachtlich fühlen, bei der Wärme und Weihnachten ohne Familie ist natürlich auch nicht das Wahre. Zum Glück bin ich ja nicht allzu weihnachts-nostalgisch, so dass mich das nicht allzu sehr stört.

Die Kolumbianer sind doch auch mal wieder komisch. Bauen sie hier ihre Weihnachtsbeleuchtung auf und dann seh ich hier künstliche Schneemänner und mit weißer Watte bedeckte, künstliche Weihnachtsbäume rumstehen, was mich doch sehr verwundert, wo die meisten Menschen hier ja noch nie in ihrem Leben Schnee gesehen haben. Da merkt man mal wieder, dass die Kultur doch zu sehr europäisch beeinflusst ist, Christopher Kolumbus sei Dank.

Nachdem ich jetzt Nescafe, Kolumbiens Image und Christobal Colón gedankt habe, kann ich den Eintrag getrost beenden.

Ich wünsche euch ne schöne Adventszeit, ich hoffe, dass ichs vor Weihnachtn nochmal zu schreiben. bzw. dass ich Bock habe.
Ich grüße meine Familie, der ich danken will, dass sie mich so erzgen haben, wie ich bin, meinen Bruder nochmal extra, außerdem alle Personen, die mich besuchen wollen (sind ja nicht viele), des weiteren alle geilen Säue, mit denen ich des letzte Jahr verbracht habe, alle Neustädter und sonst noch die anderen Genossen des Lebens und die Menschen, die sich durch ihr Leben schlagen.....

 

Viele Grüße aus dem warmen und dreckigen Medellín!!!

Euer

 

Jannik el mono 

von Jannik
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Tuesday, 3. november 2009 2 03 /11 /Nov. /2009 00:01
Guten Tag zusammen,

zufälligerweise ist mit heute aufgefallen, dass ich ziemlich genau 100 tage hier bin... da ich seit kurzem auch einen kleinen laptop hier hab, den mir meine lieben eltern aus deutschland hinterhetgeschickt haben, dacht ich mir, ich könnte ja mal ein paar wenige fotos hochladen...
sind jetzt im endeffekt fast 200 und dieses scheiss upload-programm macht da nicht so mit, zumal die internetverbindung auch nicht gerade so rosig ist... ein paar sind jetzt schon da, die restlichen folgen demnächst...
was erzählen werde ich auch in ein paar tagen mal wieder!
wer jetzt schon alle fotos sehen will, schaut bitte ins studivz!

bis dann, viele grüße

der jannik
von Jannik
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Wednesday, 7. october 2009 3 07 /10 /Okt. /2009 02:16
Hallo Kinder,

tut mir schrecklich leid, dass ich hier so wenig reinschreib!!!
Komischerweise habe ich keine Lust, Zeit haette ich naemlich... Internet geht aber auch seit n paar Wochen nicht im haus...
ist grad ne Woche Ferien hier, eigentlich wollte ich mit meiner Gastfamilie, welche mich eingeladen hatte, an die Karibikkueste fahren, natuerlich hat das aufgrund von zu kurzfristigen Reserviereungen, ganz typisch kolumbianisch, nicht geklappt.
Nun ja, unsre Theaterreise vor langer Zeit war recht gelungen, und sehr amuesant so mit der ganzen Truppe unterwegs zu sein...
Ausserdem sind wir mit dem Bus von Bogotá nach Medellín zurueckgefahren. Wir waren 12 Stunden unterwegs (ueber 2 Andenkordilleren bis fast 3000m, und zwischendrin durchs Rio Magdalena Tal auf fast 0 runter - sehr amuesant fuer Koerper und Magen, vor allem aufgrund des staendigen Vegetations- und Klimwechsels. Bei dieser Gelgenheit konnte ich aber auch mal diese atemberaubende Natur dieses Landes entdecken, da man hautpsaechlich ueber holperige Landstrassen faehrt und somit genug Zeit hat, sich alles anzusehen. Fuer die Beschreibung der Ldnschaft mach ichs mir mal einfach: unbeschreiblich! Ha! Ja ist aber auch so, da sieht man einfach innerhalb von ein paar Stunden alle moeglichen Gewaechse aufgrund des staendig wechselnden Klimas, und das auf nur ca. 400km Strecke, sowas hat Deutschland halt nicht zu bieten. Mittagspause mussten wir natuerlich am heissesten Ort Kolumbiens machen, stellt euch das mal vor, 1 Uhr mittags und gute 40 Grad Hitze und kein Windchen, war nicht so entspannend. Toll war jedoch, dass man vom heissesten Punkt aus in die Anden hochschauen kann, wo einfach mal fett Schnee liegt (fuer di...e Kolumbianer war das uebrigens die groesste Attraktion, weil die kennen ja normalerweise keinen Schnee).
Gluecklicherweise hat sich auf der Busfahrt mein Kamera-Akku recht schnell verabschiedet, deswegen werde ich diese Erinnerung nicht teilen koennen...
Nun ja, nach dieser Reise war ich ja so gut wie der einzige Deutsche hier, daher fuehl ich mich ab und zu schon alleiun bzw. habe nicht wirklich jemand mit dem ich so richtig gut auskomme. Ausserdem ist es schwer, hier gute Beziehungen aufzubauen, da es einfach schwer ist was zu planen und ueberhaupt ist hier alles viel verpeilter und improvisierter als ich es vorher kannte :D
Jedenfalls hatte ich die letzten Wochen einen relativ langweiligen Alltag, der hauptsaechlich eben aus der Projektarbeit, Sport und allem was so unter Alltag faellt, bestand.
Des weiteren sind noch einige Probleme mit der Gastfamilie angfallen, irgendwie klappt da die Kommunikation nicht so gut, weil ich ja eigentlich umziehen wollte, weil sie das wollten, dann wollten sie es doch wieder nicht, jetzt bauen wir ja grad das Hus fuer die Deutschen um, da wollten sie mich nicht allein hinlassen, jetzt auf einmal doch wieder... ich schaetze mal da spielen noch einige andere Personen mit, die mich gerne unter Kontrolle haben wuerden, sprich gewisse Nonnen oder sowas, aber nun ja, ich komm schon damit klar.
Mir jehts gut und jetzt habt ihr mal wieder ein Lebenszeichen von mir, fuer mehr reichts gerade nicht, wer mehr wissen will, muss mich anders kontaktieren!!!
Muchos Saludos y abrazos a todos desde Colombia :-)
von Jannik
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Saturday, 5. september 2009 6 05 /09 /Sept. /2009 00:50

Buenas!

ich bin zwar schon wieder in Bogotá, aber ich hatte ja versprochen, was ueber mein "Privat-Leben" (keine Angst wird nicht schmuddelig) in Medellín zu berichten und mich nicht nur als hart arbeitendes Opfer darzustellen. Angesichts der Tatsache, dass seit Dienstag meine Bankkarte nicht mehr ging und ich mittwoch morgen gesagt bekommen hab , dass ich bald ausziehen muss, weil meine Gastfamilie das Zimmer fuer ihre kranke Grossmutter braucht, hielt ich es doch fuer angebracht mich erst darum zu kuemmern...
Nun gut, die Bankkarte funktiuoniert immernoch nicht, aber ich habe wahrscheinlich eine neue Bleibe, die, wenn alles klappt, ziemlich gediegen werden koennte.
Das waere dann in einem Haus, das auch meiner Gastfamilie gehoert (jaja, sind schon Bonzen) welches die fundación (Stiftung bei der ich angestellt bin) sowieso zu einem Theater umbauen will, wo man aber trotzdem noch wohnen kann. Hab mir das am Mittwoch gleich mal angeschaut - momentan steht es leer und es sieht noch aus wie auf nem Schlachtfeld, aber die Kolumbianer koennen schnell renovieren, wenn man ihnen in den Arsch tritt - und muss sagen: ich bin beeindruckt. Fuer kolumbianische Verhaeltnisse ziemlich gross, im Hinterhof das Theater, was echt schnuckelig (entschuldigt den Ausdruck) wird, wenn man es neu ueberdacht und mal sauber macht und ansonsten noch genug Wohnflaeche, die, wenn dann alles so weit ist, an Studenten (vorzueglich aus Deutschland) vermietet wird. Ihr wisst was das bedeutet! Ab diesem Zeitpunkt koennen die Kolumbianer ihre Reggaetón Parties sonst wo feiern...
Bis dahin vergehn aber noch mindestens 1 bis 2 Monate. Uebergangsweise wohn  ich dann wahrscheinlich in der Kirche :D:D:D naja waere eigentlich das Haus neben der Kirche, in dem die Pfarrer wohnen, die aber eigentlich echt korrekt sind und mit denen man auch ueber was gescheites reden kann.
Nach wie vor fehlt mir hier ein wenig geistige Betaetigung - dieses Volk is einfach nich so helle...
Joa ansonsten hab ich schon einen recht gut geregelten Alltag. Ich arbeite zwar fast jeden Tag, aber es ist nie so viel und durch den Spass an der Sache - trotz Anstrengung - auch ein bisschen wie Urlaub.
Ansonsten hab ich schon ein Bball-Team gefunden, das auch recht gut ist, wir zocken zwar immer nur, aber mir ists recht...
Des Weiteren hab ich mit Capoeira angefangen :D jaja, ich konnts am Anfang selber nich glauben, und es klappt auch noch nicht so gut, aber ich hoff mal, dass man da in nem Jahr gut was lernen kann...
Dadurch erweitert sich mein Freundeskreis natuerlich, was auch immer mehr Moeglichkeiten, was zu unternehmen ergibt. Da ich ja nicht, wie viele andere privilegierte Freiwillige von einer Entsendeorganisation mit staatlicher Unterstuetzung und haufenweise anderen Freiwilligen in ein fremdes Land geschickt wurde, beschraenken sich meine Kontaktpersonen hauptsaechlich auf Kolumbianer - hat Vor- und Nachteile.
Der Zeitaufwand fuer meine Abendaktivitaeten, die ja vor meiner Abreise eigentlich mein ganzes Leben beanspruchten, ist extrem geschrumpft, aber nicht nachteilhaft. Ich muss dazu ehrlich sagen, dass es auch echt gut tun kann, mal weniger zu saufen (jaja, ich weiss schon, was es darueber Kommentare hageln wird), wobei ich dazu sagen muss, dass ich natuerlich nicht ganz drauf verzichte ;)
Als ich mich zum ersten Mal abgeschossen hatte, war das danach jedem im Dorf - was eigentlich eine Stadt ist, aber in der Hinsicht wie ein Dorf ist - bekannt. Wurd montags gleich von den Schuelerinnen drauf angesprochen. Ich weiss auch gar nicht, wie die dazu gekommen sind, anscheinend haben mich an dem Wochenende abends viele gesehen...  ein bisschen Spoass muss sein...
Gut ist, dass die Alkohol niocht so derbe mischen wie bei uns, kann zwar gelegtnliuch anstrengend werden, einen "Guaro" (Aguardiente - Anisschnaps, was andres gibts hier kaum) nach dem anderen zu kippen, aber immer noch besser als Wodka-Maracuja und sonstiges Gesoeff. Woei ich meinen Cuba Libre doch vermisse ;)
Bierchen sind auch ganz OK, ich werd jetzt hier keine neue Lieblingssorte finden, aber trinken kann mans.
So, jetzt kehren wir mal wieder auf die pseudo-vernuenftige Schiene zurueck.
Natuerlich hab ich auch schon ein wenig von Medellín gesehen, fuer mehr Kolumbien hats leider noch nicht gereicht, jetzt ist erst mal Bogotá dran und andre Plaene gibts auch schon...
Medellín ist echt ne schoene Stadt, zwar schon ziemlich gross aber nicht zu gross, so wie andre lateinamerikanische Staedte und in der Innenstadt echt uebersichtlich. Ausserdem gibt es super Transportmittel: die Metro, welche als Hochbahn ideal zum Stadt erkunden ist, mit einem seh guten Anschlussbusnetz. Von meinem Haus bis in die Innenstadt braucht man knapp ne dreiviertel-Stunde, was echt OK ist.
Und die Stadt kann man sich auch echt als Tourist gut reinziehen, haufenweise Sehenswuerdigkeiten und sonstige Attraktionen -  sowohl kulturell als auch anderweitig. UND es ist bei weitem niocht so gefaehrlich, wie immer gelabert wird, ich frag mich was man sich dabei denkt, so schoene Laender so unverdient durch den Kakao zu ziehen- Scheiss Neo-Imperialismus!
Letzte Woche war ich mit Alen, dem anderen Deutschen, der grad noch des Theaters wegen sich hier aufhaelt, in Medellín mal so zum anschauen unterwegs und wir sahen anscheinend extrem touristenmaessig aus, jedenfalls wurden wir von den ganzen Strassenverkaeufern und anderen Marktschreiern regelrecht belaestigt, war aber trotzdem ganz lustig, wenn man sich auf nen kurzen Plausch mit denen einlaesst, kann man sich als Chinese ausgeben oder deutsche Schimpfwoerter als Begruessung sagen, oder auch einfach nur mit dem uralten, eigentlich zu bemitleidenden Hutverkaeufer, der mit 3 unmoeglich aussehenden,uebereinander auf dem Kopf gestapelten Sombreros auf einen zu gelaufen kommt, zusammen ueber ihn selbst lachen.
Ansonsten hab ich Medellín auch schon von der anderen Seite erlebt, einerseits im Strassenkinderprojekt, andererseits im "Barrio Triste" was seinen Namen schon irgendiwe verdient hat. Hier war ich mit meiner Ex-Spanischlehrerin, die, wenn sie in Kolumbien ist, dort immer ein projekt mit Obdachlosen macht. Das kann unter Umstaenden natuerlich auch echt gefaehrlich werden, Prostitution, Drogen und Waffenschmuggel aus den USA (der musste jetzt sein) hinterlassen ihre Spuren. Ich war auf alles vorbereitet als ich dahinkam, aber muss sagen, es war echt cool und ich war gar nicht so schockiert, wie ich davor dachte, was mich wiederum schockiert hat.
Die meisten von denen, die da waren, waren ungefaehr mein Alter, was das Ganze natuerlich noch haerter macht. Wir haben einfache Zahlenspiele mit denen gemacht und ein bisschen gemalt und sind dann am Ende auf Selbstreflektion uebergegangen, was ihnen alles aber unglaublich schwer faellt (teilweise Analphabeten, ganz schlechte Koordination). Dazu kommt, dass sie halt die ganze Zeit auf Drogen sind, jeder mit der Kleberflasche inb der Hand und andres Zeug gibtsa natuerlich auch...
Sehr krass wie die leben und aussehen, die meisten haben so viel hinter sich, total zernarbt von irgendwelchen Kaempfen, sei es mit anderen "Jövenes de la calle" oder irgendwelchen Glaeubigern oder Drogendealern.
Einer wollte unbedingt meine Festivalbaendchen haben und hat nicht gerafft, dass man die nicht abmachen kann, woraufhin er grad mal sein Teppichmesser gezueckt hat, um sie abzuschneiden. War aber halb so wild, weil ich denke, dass sich keiner von denen das je trauen wuerde, da denen so ne AUfmerksamkeit von irgendwelchen Menschen von der anderen Seite der Welt ganz schoen viel bedeutet, auch wenn man sie nicht so einschaetzt. Ganz toll war, dass einer, als wir gegangen sind sich auf Deuscth bei uns bedankt hat, was meinen vorangegangenen Kommentar natuerlich bestaetigt.
Auch wenn ich zwar genau das mache, bin ich mittlerweile schon der Meinung, dass den meisten Menschen in solchen Situationen einfach nicht zu helfen ist, man kann nur das Leben verschoenern und ihnen Aufmerksamkeit und Spass geben.
Allerdings ist dieses Land auch in anderen Hinsichten verloren. Ich bin seit gestern wieder in Bogotá, wo wir naechste Woche unser Theaterstueck auffuehren. Momentan bin ich nur mit dem professor alleine hier, denn wir muessen noch mit einer Schuelergruppe von hier das Stueck proben, denn aufgrund der Groesse unseres Ensembles und den daher hohen Reisekosten, einen teil der Gruppe aus Copacabana mit einer Gruppe von hier tauschen um zu sparen - ich weiss, ist mies, aber geht nicht anders, und das versteht auch jeder...
Nun gut, nachdem wir wiede rmit dem geilen, uralten Jeep irgendeine Duschungelstrecke Richtung Flughafen gefahren worden sind und mal wider einen Sonnenuntergang ueber den Wolken hatten, sind wir in El Dorado gelandet und ich hab mich echt gefreut, dass ich mal wieder Regen gesehen hab und es mal unter 20 Grad hat. DIe letzten 2 Wochen in Medellín waren extrem heiss und niederschlagsarm, aber wie ihr wisst regnet es sonst ja auch hoechstens nachts ;)
Normalerweise haben wir hiuer jemand der uns fahert, aber dessen Auto hatte heute "pico y placa" (ein Programm zur Beschraenkung des Verkehrschaos - jedes Auto hat an bestimmten Wochentagen Fahrverbot - ist allerdings klaeglich gescheitert. Kleiner Einschub dazu: Unser Weg mit dem Auto vom Flughafen zur Wohnung durch die Stadt hat laenger gedauert als der Flug selbst). Jedenfalls sind wir daher heute morgen dem "Transmilenio" zu der Schule quer durch die Stadt gefahren. Der Transmilenio ist ein Bustransportsystem, auf das die Botgotanos stolz sind, welches das Transpoirt-Verkehrsproblem genauso wenig loest, wie pico y placa. Das sieht folgendermassen aus. ES gibt haufenweise Buslinien die eigene Fahrspuren auf den grossen Avenidas haben und daher eigentlich schneller vorankommen sollten. Halten tun sie an Haltestellen, die wie Metrostationen aussehen. Meiner Meinung nach haette man das ganze Geld, was man zum Umbau der Strassen dafuer usw ausgegeben hat, erst mal in ne gescheite Metro investiert, die waere um einiges effektiver gewesen. Sowas wird jetzt sogar auch hier gebaut, jedoch haben sie Angst die Stadt zu untertunneln, kein Wunder bei der Architektur, also ich gebe der Stadt noch mindestens 10 Jahre und 5 Millionen Einwohner mehr bis die fertig ist.
Trotz der Proben und der Auffuehrungen wird genug Zeit sein, was von der Stadt zu sehen. Am Sonntag besteigen wir den "Montserrate", der Hausberg der Stadt, von woaus man eine atemberaubende Aussicht auf dieses Moloch haben soll. Ansonsten dann naechste Woche mit der Theatergruppe...
ANbei moechte ich noch bemerken, dass wir hier in der Candelaria auftreten, welche das bekannteste Theater Kolumbiens ist und auch international bekannt ist ;)
Und auch wenn sich das jetzt teilweise abfaellig anhoert, was ich so berichte... ich mag dieses Land und die Leute, denn es ist einfach beeindruckend.
Also meine lieben, durchaltevermoegenden Leser.
Les deseo un feliz día, que lo pasen bien...
Ich hoffe, dass ich fuer fantasiebeschraenkte bald visuelle Eindruecke in Form von Fotos liefern kann. Hab schon genug gemacht, aber hochladen ist Stress pur.
Ich hoffe im guten, alten Ddeutschland ist alles klar und freue mich jederzeit ueber Berichte.
Viele Gruesse aus dem Land der Gegensaetze.
Euer Jannik

von Jannik
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